Notes on Language Creation

Language creation can be a tough thing to get a hold of. There is no "How To" book for language creation. Everyone has their own opinions; everyone has good ideas. These are a few of mine (opinions, not good ideas—the latter's for you to decide).

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Das Kunstsprachen-Manifest

Conlanger Sören E. Worbs (a.k.a. Creyeditor) has translated The Conlang Manifesto into German! Thank you so much, Herr Worbs!

Das Kunstsprachen-Manifest

Mir kommt es komisch vor, dass ich die Sprachschöpfung verteidigen muss, und trotzdem wurde sie immer wieder angegriffen, vor allem von Sprachwissenschaftlern (was das Rätselhafteste an der ganzen Sache ist) und als Frivolität diskreditiert, die von niemandem ernstgenommen werden kann und sollte, und sie wurde sogar als boshaft bezeichnet (ehrlich!). Zu solchen Behauptungen habe ich die folgenden Dinge zu sagen:

Ich würde hoffen, dass viele mir darin zustimmen, dass etwas, das man tut und das weder dem Tuenden noch irgendjemandem anders schadet, nicht falsch ist. Was das angeht: Soweit ich weiß, hat Sprachschöpfung niemals einen Schaden für den Sprachschöpfer oder einen anderen Menschen nach sich gezogen. (Wenigstens habe ich von keinem Sprachschöpfer gehört, der verrückt geworden ist. Trotzdem sollte ich erwähnen, dass Esperantisten in Deutschland während des Holocaust verfolgt wurden, genau wie eigentlich fast alle anderen Leute.) Wie bei jedem Hobby ist die einzige Anforderung, Zeit zu investieren, und Zeiteinteilung hat nichts mit der Beschäftigung an sich zu tun, sondern nur mit dem, der sie ausübt. Also kann man nicht argumentieren, dass Sprachschöpfung eine “Zeitverschwendung” ist, man kann nur sagen, dass einige Leute ihre Zeit verschwenden – wie sie das machen, ist irrelevant.

Das andere Argument – ob Sprachschöpfung ernstgenommen werden kann – ist ein bisschen haariger. Das Hauptproblem, das Leute meiner Meinung nach mit Sprachschöpfung haben, ist, dass es “komisch” ist, das heißt: unüblich. Alles, was unüblich ist, wird zuerst mit Besorgnis betrachtet; das ist schon seit Kopernikus so, oder sogar noch länger. Wenn du den Argumentierenden darauf aufmerksam machst, wird er oder sie normalerweise dagegenhalten mit dem Argument, dass Sprachschöpfung unnütz ist und deswegen unseriös. Und wenn wir es nur utilitaristisch betrachten, falls der Schöpfer seine Sprache nicht zur Kommunikation benutzt, und weil Sprache nur als Mittel der Kommunikation gesehen werden kann, dann ist Sprachschöpfung tatsächlich ziemlich unnütz.

Aber ist das alles, was Sprache ist: ein Werkzeug der Kommunikation? Wenn ja, was ist dann Dichtkunst? Was ist Literatur? Welchen möglichen Nutzen könnte “Ulysses” von James Joyce haben? Ich denke, wenn man auf einer einsamen Insel wäre und Krabben zertrümmern müsste, würde es seinen Zweck erfüllen – es ist schließlich ziemlich dick. Aber darüber hinaus? Den Kritikern zufolge hätte es keinen Nutzen. Und warum sollte man hier aufhören? Welchen Nutzen haben Gemälde für irgendwen? Sie hängen schließlich nur herum und tun nichts für niemanden. Das Gleiche gilt für jede andere Art der bildenden Kunst: Töpferei, Juwelierarbeit, Wandteppiche, Mosaike, Skulpturen, Animation… Und was ist mit Architektur? Man braucht nur ein Dach über dem Kopf, es gibt keinen Grund dafür, dass es schick auszusehen hat. Also auch raus aus dem Fenster damit. Und Musik? Meine Worte! Es gibt nicht mal in der Musik einen funktionellen Wert. Also lasst uns alle Musikinstrumente und Alben verbrennen: Tschüß Tschaikowski, Bye-bye Beatles, Auf Wiedersehen Enya, Aloha Israel Kamakawiwo’ole (das ist das Aloha, das Tschüß heißt, nicht Hallo). Sehr bald würde nur noch eine Welt ohne Kunst zurückbleiben.

An diesem Punkt sollte die Diskussion ein Ende finden. Die Unnachgiebigkeit und der Nutzen von Kunst sind schon von vielen Leuten diskutiert worden, von Leuten, die sehr viel eloquenter waren als ich, und spätestens jetzt (hoffe ich) sollte die ganze Welt verstanden haben, dass Kunst auf unserem Planeten wirklich wichtig ist. Also, lasst uns von hier aus weitergehen: Jede Universität, die ihren Namen verdient, wird eine Kunstfakultät haben. Millionen von Leuten studieren jedes Jahr nutzlose, frivole Kunst. Also, warum keine Sprachschöpfung? Fast jedes seriöse Fach hat eine damit verbundene Kunst, die auch studiert wird: Literatur hat Dichtung und Prosa, Informatik hat Computergrafik und Videospiele (noch so eine unterschätzte Kunstform), funktionelle Architektur hat künstlerische Architektur, Kunstgeschichte hat Kunst, Musiktheorie hat Musik. Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, ist Sprachschöpfung dann nicht die mit Linguistik verbundene Kunst?

Das ist ein Grund, warum ich die Verurteilung der Sprachschöpfung durch Sprachwissenschaftler so verwirrend finde. Neben ihrer künstlerischen Seite hat Sprachschöpfung aber auch noch anderen Nutzen. Erstens sorgt das Erschaffen einer Sprache dafür, dass man Sprache ganz allgemein besser verstehen kann. Jemand, der eine Ergativsprache erschafft, hat viel mehr Chancen, Ergativität in natürlichen Sprachen zu verstehen, als jemand, der das nicht tut, glaube ich. Außerdem kann das gleiche Verständnis das Lernen von Fremdsprachen deutlich vereinfachen, ganz zu schweigen von der Sprachwissenschaft an sich. Was noch wichtiger ist: Es bringt einen dazu, an die Vielfalt und Schönheit von Sprache zu denken, und jemand, der sich dieser bewusst ist, wird wahrscheinlich nicht so leicht einen Sprecher einer fremden Sprache missverstehen, missbilligen oder stereotypisieren, was einer der Hauptgründe für Rassismus und Ethnozentrismus ist. Kurzum, Sprachschöpfung ist einer der Schlüssel zu einer harmonischen Gesellschaft und zu einer friedlichen Welt. Wenn man auch nur irgendetwas ernst nimmt, dann ist es doch ganz sicher der Weltfrieden, und wenn dem so ist, sollte das dann nicht auch der Sprachschöpfung hoch angerechnet werden?

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